Tag #1 - Pure Endorphine & Erschöpfung

Schlaf: Seit dem Einsetzen der Wellen am Vortag um 8:00 Fehlanzeige.


Ich bin komplett KO von der Geburt. Mein Kreislauf ist im Keller und ich bin froh, dass ich mit Felix eine Nacht auf der Wochenbettstation verbringen darf und mich dort abgesehen von einer Dusche und dem Gang auf’s WC nicht aus meinem Bett wegbewegen muss.


Felix ist ganze Zeit bei mir. Haut an Haut. Alles andere wäre für mich unvorstellbar. Nur um ins Bad zu gehen, lege ich ihn kurz mal ins Beistellbettchen, möchte ihn allerdings nicht allein lassen und rolle deshalb mit seinem Bett ins Bad.


Ich habe wirklich Glück, weil meine Zimmernachbarin eine Stunde nachdem ich das Zimmer beziehe, entlassen wird, sodass Felix und ich voll und ganz unsere Ruhe haben. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.


Die Zeit vergeht wie im Flug und ich kann meinen Blick nicht von unserem wunderschönen Sohnemann abwenden. Gleichzeitig ist es echt hart, dass Christoph nicht bei uns sein kann und ich vermisse ihn sehr. Aber es hat auch seine guten Seiten, dass er nach Hause gefahren ist, denn so kann er sich von der Geburt erholen und ein bisschen Schlaf und neue Energie tanken – das wird sicherlich für die nächsten Tage wichtig sein.


Ich rufe meine Mama an, weil es mir ein Bedürfnis ist, jetzt mit einer meiner engsten Bezugspersonen zu reden. Und es tut wirklich gut, ihre Stimme zu hören – hat irgendwie voll die beruhigende Wirkung auf mich. Ich erzähle ihr ein bisschen von der Geburt und freue mich, dieses ganz besondere Erlebnis mit ihr teilen zu dürfen. Irgendwie hilft mir das, all meine Emotionen diesbezüglich zu verarbeiten.


Irgendwann wird mir auch ein Abendessen hingestellt. Ich habe zwar so gar keine Lust auf Essen, ringe mich aber dazu durch, zumindest ein Brot zu essen, um wieder zu Kräften zu kommen.


Ein bisschen habe ich Sorge, dass das mit dem Stillen nicht funktionieren könnte. Besonders weil die Hebammenschülerin direkt nach der Geburt so an meiner Brust herumgetüftelt hat und Felix immer wieder damit geärgert hat, seinen Mund gut weit aufzumachen. In der ersten Nacht finde ich dann aber irgendwie von allein meinen Weg und schaffe es, ihn zumindest bei meiner rechten Brust anzulegen, indem ich ihm zuerst meinen Finger und dann meine Brust anbiete.